Global Perspectives | Bericht | 30. August 2018, 09:00

Zum Tod von Kofi Annan: Die globale Jugend muss das Erbe von Kofi Annan weiterführen

von Dr. Ingrid Hamm und Nadine Bütow

Er stellte sein Leben in den Dienst der Weltgemeinschaft. Mit Leidenschaft und ungebrochenem Optimismus kämpfte er für Frieden, die Menschenwürde und ein gleichberechtigtes Miteinander. Seine Waffen: Bildung, Wissen und diplomatisches Gespür. Am 18. August 2018 verstarb Kofi Annan. Sein Erbe muss bewahrt und weitergeführt werden. Die Jugend kann hier eine Schlüsselrolle spielen.

„Ein humanitärer Interventionist“, titelte die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Als „Sanften Vermittler zwischen den Welten“, beschrieb ihn die Deutsche Welle. Die Welt trauert um einen Mann, der als erster Schwarzafrikaner an der Spitze der Vereinten Nationen beinahe sein ganzes berufliches Leben im Dienst der Organisation verbrachte und wie kaum ein anderer ihre Mission verkörperte.

 

 

Kofi Annan setzte auf Partnerschaften für eine gerechtere Welt. Auch nach seiner Zeit als siebter Generalsekretär der Vereinten Nationen (1997–2006) brachte sich der Friedensnobelpreisträger in das Weltgeschehen ein. Konflikte und Kriege konnten sein optimistisches Menschenbild dabei nie trügen. Der ghanaische Diplomat nutzte seine moralische Autorität und sein enormes Einfühlungsvermögen um unermüdlich an das Gewissen der Welt zu appellieren. Er tat dies bis zum Schluss mit ruhiger Hand, unumstößlicher Integrität und herausragender Güte.

„Kofi Annan protected us from our worst instincts“ (Jeffrey Sachs)
Wie tief der Verlust Kofi Annans trifft, schrieb der Ökonom und Sonderberater für die Millenniums-Entwicklungsziele (MDG), Jeffrey D. Sachs, für die CNN in einem Meinungsstück nieder. „In jeder Generation“, sagt Sachs, „sind wir auf Menschen von höchster Schicklichkeit und Intelligenz angewiesen, um die Welt zusammenzuhalten. Kofi Annan war einer der rechtschaffenen Menschen, ein Mann von außergewöhnlicher Intelligenz, von Anstand, Wärme und Lebensfreude. Er verhalf der Welt dazu, sich nicht auseinander treiben zu lassen oder sich gnadenlos zwischen Reich und Arm zu teilen.“

„Die Jugend ist unser kostbarstes Gut, sie ist unsere Zukunft“ (Kofi Annan, 2001)
In der Jugend sah Annan die treibende Kraft für Wandel in der Welt und für jene Lösungen, die die Gemeinschaften am dringendsten brauchen. Unvergessen bleibt sein Auftritt im Februar 2018 am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz vor Studenten an der Technischen Universität München (TUM), den wir gemeinsam mit der TUM organisieren durften. Unter dem Titel: „Visions for Challenged Democracies – Towards a Fairer, more Peaceful World“ rief er die Studierenden zur Wachsamkeit bei der Nutzung und des Konsums von Inhalten in sozialen Medien auf. Denn der einst positiven Macht, die beispielsweise 2011 zu den Umbrüchen in der arabischen Welt führte, wurden die neuen Medien auch zum Mittel der Selbstermächtigung autoritärer Regierungen. „Soziale Medien gerieten zum Schlachtfeld um die Manipulation der politischen Diskussion“, sagte Annan. Sie würden zu Echokammern von Hass, Diskriminierung und Fake News.

 

 

„You are never too young to lead“ (Kofi Annan, 2018)
Neben der Verantwortung der großen Tech-Konzerne nahm er auch junge Menschen in die Pflicht, selbstkritisch hinter die Fassade von Quellen und Nachrichten zu blicken. „Glaubt nicht alles, was ihr hört! Glaubt nicht alles, was ihr lest!“ Stattdessen sei es wichtig, in der Wahrheitsfindung den Dialog zu suchen, zuzuhören und anderen Meinungen Raum zu geben. Meinungspluralität ist die Basis einer gesunden Demokratie. Sie brauche eine harte, manchmal auch unangenehme Debatte. Er erkannte das Potenzial der Jugend und sah in ihr jene Pioniere, die den Kampf gegen anti-demokratische Entwicklungen im Netz anführen können. „You are never too young to lead“, ermutigte er in seinem Appell.

 

Aufzeichnung der Rede von Kofi Annan im Februar 2018 (TUM Speakers Series: "Visions for Challenged Democracies – Towards a Fairer, more Peaceful World")

 

„Kofi Annan hat uns inspiriert und beschützt – allzu oft vor unseren schlimmsten Instinkten und fehlerhaften Urteilen“, schlussfolgert Jeffrey Sachs in seinem Artikel. „Er lehrte uns den unschätzbaren Wert der Diplomatie, die Kunst, durch Zuhören und Respektieren anderer einen gemeinsamen Nenner zu finden. Es gab in unserer Zeit keinen feineren Praktiker solch gehobenen Anstands.“

Annan ist der geistige Vater der Millenniums-Entwicklungsziele der UN, die 2015 durch die 17 einstimmig verabschiedeten weltweiten Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDG) ergänzt wurden. Er hinterlässt eine Lücke. Im Zeitalter der Globalisierung ist es vor allem die Jugend, die sein Erbe antreten und bewahren kann. Für echte Veränderung braucht es weiterhin vor allem eines: einen starken politischen Willen.

 

Dr. Ingrid Hamm zum Erbe Kofi Annans

Dr. Ingrid Hamm zum Erbe Kofi Annans

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Autoren:

  • Nadine Bütow, Öffentlichkeitsarbeit Global Perspectives Initiative
  • Dr. Ingrid Hamm, Mitgründerin Global Perspectives Initiative

Ansprechperson:
Nadine Bütow, Öffentlichkeitsarbeit
n.buetow@globalperspectives.org

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