Global Perspectives | Bericht | 30. September 2019

Jeff Kabondo: „Mit Korruption bleibt auch eine nachhaltige Entwicklung des afrikanischen Kontinents in weiter Ferne.“

Das weltweite Ausmaß von Korruption ist enorm: Rund eine Milliarde US-Dollar werden jedes Jahr an Bestechungsgeldern gezahlt (1). Das ist besonders im globalen Süden problematisch. Laut dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen ist der durch Korruption verursachte wirtschaftliche Schaden rund zehn Mal höher als die jährlich gezahlten Entwicklungsgelder (2).

Korruption ist eines der größten Hindernisse für Investitionen der deutschen Wirtschaft in Afrika – so lautet das Ergebnis einer Führungskräftebefragung der Global Perspectives Initiative, die vom Institut für Demoskopie Allensbach durchgeführt wurde.

Tatsächlich war das Engagement der deutschen Wirtschaft in Afrika bislang zurückhaltend. Zwar sind etwa 800 Unternehmen mit deutschem Kapital in Afrika aktiv, doch nur rund ein Prozent der deutschen Direktinvestitionen fließen nach Afrika.

Um die Nachhaltigen Entwicklungsziele (SDGs) bis 2030 voll und ganz zu erreichen, ist ein stärkeres wirtschaftliches Engagement auf dem afrikanischen Kontinent allerdings notwendig. Die Bemühungen der Bundesregierung, Investitionen in Afrika unter anderem durch eine Risikoabsicherung und einen Investitionsfonds zu unterstützen, werden in der GPI-Studie von der überwältigenden Mehrheit der Führungskräfte aus Wirtschaft und Politik begrüßt.

Um die Auswirkungen von Korruption auf die wirtschaftliche Entwicklung in Afrika zu beleuchten, sprach GPI mit Jeff Kabondo, einem renommierten Anti-Korruptionsexperten aus Malawi. Jeff Kabondo hat mehr als 15 Jahre Erfahrung in der Anti-Korruptionsarbeit und leitet die National Integrity Platform, die führende zivilgesellschaftliche Organisation zur Korruptionsbekämpfung in Malawi.

Jeff Kabondo, Programm Manager Governance, African Institute of Corporate Citizenship

Jeff Kabondo, Programm Manager Governance, African Institute of Corporate Citizenship

1) Welche Auswirkungen hat Korruption auf die Entwicklung in Malawi und anderen afrikanischen Ländern?

Korruption hat Auswirkungen auf viele Bereiche des öffentlichen Lebens: So sind staatliche Dienstleistungen in Schlüsselsektoren wie Bildung, Gesundheit oder Landwirtschaft besonders von Korruption betroffen.

Korruption ist außerdem in vielen Prozessen und Institutionen der Regierung weit verbreitet, was die Qualität demokratischer Regierungsführung gefährdet. So werden beispielsweise Wahlen in Afrika oft durch Manipulation und Betrug beeinträchtigt, mit dem Ziel, die Wahlergebnisse zugunsten von Politikern zu verzerren, die auch gegen den Willen der Mehrheit an der Macht bleiben wollen.

Wenn Korruption weiterhin so fest verwurzelt bleibt, werden die Bürger das Vertrauen in demokratische Wahlen verlieren. Dadurch könnte die Korruption letztendlich auch den Frieden und die Stabilität auf dem Kontinent gefährden.

Als logische Konsequenz stellt Korruption eine Bedrohung für die staatliche Sicherheit dar. In Teilen Afrikas, die von Fragilität betroffen sind, werden Konflikte durch Korruption angeheizt und verlängert. Ich würde sogar so weit gehen, zu sagen, dass Eliten in einigen Ländern der Region ein Interesse an fragilen staatlichen Strukturen haben, um von Korruption im öffentlichen und privaten Sektor zu profitieren.

Dies gilt insbesondere für Staaten, die reich an natürlichen Ressourcen sind. Diese natürlichen Ressourcen kommen nicht unbedingt der breiten Bevölkerung zugute, sondern den wenigen, die an der Korruption beteiligt sind. Diese Eliten würden den status quo gerne beibehalten, sodass sie natürliche Ressourcen für ihre eigenen Interessen nutzen können. Meiner Meinung nach kann das am Ende ein Auslöser für den Zusammenbruch von staatlichen Strukturen sein. Auch hier in Malawi, einem eher friedlichen Land, trägt Korruption erheblich zur Arbeitslosigkeit bei und gefährdet damit den sozialen Frieden und Zusammenhalt.

2) Trotz der verheerenden Folgen wird die Bekämpfung von Korruption oft vernachlässigt. Wie können wir ein besseres Verständnis für die positiven Effekte von Anti-Korruptionsinitiativen auf die Förderung nachhaltiger Entwicklung in Afrika schaffen?

Zunächst einmal muss ich sagen, dass ich der Aussage zustimme. Es besteht die Tendenz, sich auf die Auswirkungen von Korruption zu konzentrieren, während ignoriert wird, dass wir uns auch mit ihren Ursachen befassen müssen. Es ist die berühmte Frage nach der Henne und dem Ei: Wir versuchen soziale Probleme, wie Armut oder Ungleichheit zu bekämpfen, aber vernachlässigen dabei die Rolle von Korruption bei der Schaffung und Aufrechterhaltung dieser Probleme.

Daher muss das Verständnis dafür gefördert werden, dass wir uns nicht nur mit den Auswirkungen von Korruption befassen müssen, sondern Korruption auch in Verbindung mit anhaltender Armut und anderen Herausforderungen setzen. Nur dann können wir diese Probleme nachhaltig bewältigen.

Ich glaube daher, dass es dringend notwendig ist, Antikorruptionsmaßnahmen auf alle staatlichen Ebenen umzusetzen. Wenn die Korruption fortbesteht, wird es weiterhin Armut geben und mit Korruption bleibt auch eine nachhaltige Entwicklung des afrikanischen Kontinents in weiter Ferne.

3) Der Globale Norden beherbergt immer noch zahlreiche Steueroasen, die veruntreute Gelder aus Afrika willkommen heißen. Westliche Unternehmen sind auch in einige der jüngsten Korruptionsskandale auf dem afrikanischen Kontinent verwickelt.

Wie können wir sicherstellen, dass westliche Regierungen und Unternehmen Korruption, Steuerhinterziehung und Geldwäsche in Afrika besser verhindern?

Wie Sie richtig gesagt haben, wollen viele Täter ihr gestohlenes Geld ins Ausland bringen und wählen dafür normalerweise Steueroasen in Europa. Einige Länder des Globalen Nordens haben damit begonnen, die Bewegungen illegaler Vermögenswerte und Vermögen zu überwachen. Wir sehen bereits, dass dadurch in einer Reihe von Fällen Gerechtigkeit geschaffen wurde. Aber es muss noch mehr getan werden: Die Strafverfolgungsbehörden im Norden der Welt müssen ihre Zusammenarbeit mit ihren Kollegen im Süden erweitern und vertiefen, um die illegalen Geldströme zu stoppen.

Wenn beispielsweise in den Steueroasen Europas illegale Vermögenswerte geparkt werden, warum sollte man dann nicht helfen, diese Mittel in die Länder zurückzuführen, aus denen das Geld stammt? Das wäre eine große Hilfe beim Aufbau der Wirtschaft der Entwicklungsländer. Wir brauchen diese Ressourcen, sie gehören den Menschen.

Unternehmen aus dem Globalen Norden müssen für ihre kriminellen Aktivitäten in Afrika haftbar gemacht werden. Wenn ein westliches Unternehmen an einer korrupten Tätigkeit hier in Malawi beteiligt ist, sollte dieses Unternehmen in seinem Herkunftsland zur Verantwortung gezogen werden. Das würde dazu beitragen, Korruption zu verhindern, da unsere Regierungssysteme hier Teil des Problems sind. Um internationale Unternehmen zu verfolgen, brauchen wir die Unterstützung ihrer Herkunftsländer, da ihre Rechtssysteme verlässlicher sind. Wenn hier in Malawi ein Korruptionsfall bekannt wird, müssen die Herkunftsländer dazu beitragen, diese Unternehmen zu bestrafen. Die Rückführung gestohlener Vermögenswerte ist eine große finanzielle Chance für den afrikanischen Kontinent.

Herzlichen Dank für das Gespräch.

Weitere Inhalte zu diesem Thema:

Autoren:

  • Daniel Wegner, Projektmanager Global Perspectives Initiative

Ansprechperson:
Daniel Wegner, Projektmanagement
d.wegner@globalperspectives.org

Download:

GPI Studie 2019

Weitere Inhalte zu diesem Thema:

Für unseren Newsletter anmelden