Global Perspectives | Bericht | 11. Februar 2021

Dr. Benedikt Franke & Dr. Sophie Eisentraut: „Als Münchner Sicherheitskonferenz sprechen wir von einer Polypandemie, da die von Covid-19 losgetretenen Krisen miteinander interagieren und sich wechselseitig verstärken.“

GP Interview zu Covid-19 als Polypandemie - Report der Münchner Sicherheitskonferenz

Wir sprechen in diesem GP Video Interview mit Dr. Franke und Dr. Eisentraut über die Entwicklung der  Coronavirus-Pandemie zu einer Polypandemie – wobei sich die gesundheitlichen Auswirkungen von Covid-19 mit zahlreichen Folgekrisen vereinen.

Dr. Benedikt Franke ist der Chief Executive Officer der Stiftung Münchner Sicherheitskonferenz (MSC). In dieser Funktion übernimmt er die umfassende Vertretung von Botschafter Wolfgang Ischinger, dem Vorsitzenden der MSC, und damit die koordinierende Gesamtverantwortung für die tägliche Arbeit des Teams der Stiftung Münchner Sicherheitskonferenz.

Dr. Sophie Eisentraut ist Senior Researcher der Münchner Sicherheitskonferenz und zuständig für die Sonderausgabe des Munich Security Reports „Polypandemie“. Dieser beschreibt die disruptiven Auswirkungen von Covid-19 auf Entwicklung, Fragilität und Konflikt, insbesondere in den verwundbarsten Regionen der Welt, und gibt Anstöße wie die Krisenresilienz aller gestärkt werden kann.

GPI Video Interview mit Dr. Benedikt Franke und Dr. Sophie Eisentraut

Die Coronavirus-Pandemie ist zu einer Polypandemie geworden, argumentiert die Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) in ihrem Report. Die Autorin Dr. Sophie Eisentraut beobachtet neben der Gesundheitskrise, die Covid-19 ausgelöst hat, auch eine Armuts-, Hunger-, und Autoritarismus-Pandemie mit einer deutlichen Zunahme staatlicher Repression sowie eine Pandemie des Nationalismus und Unilateralismus mit angeheiztem Protektionismus und Nullsummendenken: „Wenn wir von einer Polypandemie sprechen, dann eben auch deshalb, weil wir zeigen wollen, wie diese vielen Krisen, die Covid-19 losgetreten hat, auch miteinander interagieren und sich wechselseitig verstärken.“

Der Druck auf die weltweit bereits geschwächte Demokratie sei durch die Pandemie noch weitergestiegen, betont Dr. Franke. Vor allem in Ländern, die an wichtigen Punkten ihrer demokratischen Entwicklung stehen, würden demokratische Prozesse unterbrochen und die Demokratisierung ins Stocken geraten: „In 76 Ländern der Welt ist aufgrund von Covid mindestens eine Wahl verschoben worden.“ Um den Krieg der Narrative“ mit autoritären Regimen zu gewinnen, müssten Demokratien liefern, ebenso wie das geschwächte globale Governance-System und der Multilateralismus. Dr. Franke hofft, dass mit der Wiederbelebung der transatlantischen Beziehungen unter Team Biden „dringend notwendige Reformen des Multilateralismus auch vorangetrieben werden.“

Dr. Eisentraut stellt fest, dass die Pandemie auch diese Versäumnisse der Vergangenheit (…) schonungslos offenbart hat. Als sogenannte „Vorerkrankungen der Welt“ sieht sie etwa mangelnde Investitionen in Entwicklung, in die Eindämmung staatlicher Fragilität und gewaltsamer Konflikte. Doch die aktuelle Krise stellt auch eine Chance dar, etwa für den Abbau globaler Disparitäten: Der Bericht der MSC soll daher auch als Weckruf dienen, „ein Weckruf, dass Solidarität zu üben durchaus im Eigeninteresse ist“, so Dr. Eisentraut: Investitionen in Entwicklung, in Resilienz und in Frieden stärken die langfristige Krisenfestigkeit aller.

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