Global Perspectives | Bericht | 12. März 2021

Globale Impfstoffverteilung gerecht gestalten

Recap des GP Salon "Gemeinsam gegen Corona? Für eine gerechte globale Impfstoffverteilung"

In unserem digitalen GP Salon Anfang März diskutierten wir über die Herausforderung einer flächendeckenden globalen Versorgung mit sicheren und zugleich bezahlbaren Impfstoffen. Dies erfordert mutige politische Entscheidungen, intelligente Lösungen aus der Wirtschaft und die Koordinierung verschiedenster Akteure und Prozesse durch internationale Organisationen.

Hier finden Sie einen 10-minütigen Zusammenschnitt unseres Salons mit den wichtigsten Statements unserer hervorragenden Panelist*innen:

Recap: GP Lunch Discussion "Gemeinsam gegen Corona? Für eine gerechte globale Impfstoffverteilung"

Staatssekretärin Dr. Flachsbarth sieht Deutschland als Unterzeichnerstaat der Agenda 2030 bei der Impfstoffverteilung in einer humanitären Verantwortung, betont aber auch, dass eine funktionierende Weltwirtschaft von höchstem nationalen Interesse sei. „Wir sind darauf angewiesen, dass es einen freien Austausch von Menschen, Waren und Dienstleistungen gibt und eine Wiederherstellung von Lieferketten. All das wird erst dann geschehen, wenn wir die Pandemie besiegt haben. Nicht nur in Deutschland, nicht nur in Europa, nicht nur im nördlichen Teil der Hemisphäre, sondern letztendlich weltweit.“

UN-Generalsekretär António Guterres fordert, der Impfstoff müsse als globales öffentliches Gut allen Menschen zugänglich sein. Seit es einen Impfstoff gibt, wird zu diesem Zweck oftmals eine Lockerung des Patentschutzes gefordert. Dr. Wicklandt warnt: „Es ist ein hochkomplexer Prozess.“ Zudem können Patente auch als ein Katalysator für neue Innovationen wirken.

Man solle eher auf Capacity Building vor Ort setzen, sind sich unsere Panelist*innen einig. In jedem Fall aber muss die Infrastruktur ausgebaut und die Kühlung der Impfstoffe während Transport und Lagerung sichergestellt werden. DHL baut derzeit medizinische Lieferketten auf, um von weltweit operierenden Drehkreuzen mehr als zehn Milliarden Impfdosen zu verteilen. Amadou Diallo betont: „Es geht nicht darum, mit der Verteilung von Impfstoffen einen „Penny“ zu verdienen, sondern darum, Menschen zu vernetzen und Leben zu retten.“ Dabei müsse man zwischen groß angelegten und kleineren, lokalen Lösungen variieren.
Vertrauen in den Impfstoff, das sei das A und O, betonen Dr. Flachsbarth und Dr. Wicklandt. Dafür sei die Kooperation mit lokalen Gemeinderäten und lokalen Verwaltungen unverzichtbar.

Um sich besser auf die nächste Pandemie vorzubereiten, müsse man die gemeinsame Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt besser in den Blick nehmen, so Dr. Flachsbarth. „Nur in einer gesunden Umwelt mit gesunden Tieren werden wir auch gesunde Menschen haben.“

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Sowohl durch die Ebola-Krise 2014 und den langjährigen Kampf gegen die Lungenkrankheit Tuberkulose, sind Abstandhalten und Infektionskontrolle keine neuen Konzepte für die Bevölkerung in vielen afrikanischen Staaten. Afrika ist kein schutzloses Opfer, sondern hat erfolgreiche Strategien entwickelt, um mit Krankheiten und Epidemien umzugehen. Europa kann hier noch viel lernen.

Amadou Diallo, Chief Executive Officer, DHL Global Forwarding, Middle East & Africa, berichtet in unserem GP Salon aus seinem Heimatdorf im Senegal, 732 Kilometer von Dakar entfernt. Dort seien bereits 4.000 Menschen geimpft.

Neben den wenigen ausgebildeten Krankenschwestern unterstützen sogenannte „Aunties“ die Impfkampagne. Sie sind keine gelernten Krankenschwestern, werden aber speziell für Impfungen geschult. Das bietet dena Vorteil, nicht auf die physische Infrastruktur der Krankenhäuser beschränkt zu sein, und „magnifiziert die Anzahl der Leute, die impfen können, und die Anzahl der Personen, die über das Vakzin informieren können“, so Amadou Diallo.
Die „Aunties“ sind oftmals vertraute Personen der Bevölkerung. Als Fürsprecher*innen für Impfungen kann so auch das Vertrauen in den Impfstoff in der Bevölkerung gestärkt werden, besser als es durch Facebook und Fernsehen möglich ist.

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