Global Perspectives | Salon | 18. Juni 2021

Frauen in Konflikten und in Friedensprozessen

Warum Schutz und Beteiligung unerlässlich sind

Anlässlich des Internationalen Tages für die Beseitigung sexueller Gewalt in Konflikten

Anlässlich des Internationalen Tages zur Beendigung sexueller Gewalt in Konflikten wollten wir die Aufmerksamkeit auf die bemerkenswerte Arbeit von Frauen in Frieden und Sicherheit lenken, die Bedeutung der vollen, gleichberechtigten und bedeutsamen Beteiligung von Frauen hervorheben und die Herausforderungen und Möglichkeiten diskutieren, Frauen besser zu schützen und ihr Engagement und ihre Beteiligung zu fördern.

Was sind die Herausforderungen für Frauen in Konfliktgebieten und wie kann ein inklusives friedensstiftendes Umfeld ermöglicht werden? Wo steht Deutschland bei der Umsetzung der Agenda für Frauen, Frieden und Sicherheit?

In einer lebhaften und anregenden Diskussion erörterten unsere beiden Podiumsteilnehmerinnen verschiedene Ideen, welche Maßnahmen die internationale Gemeinschaft ergreifen muss, um geschlechtsspezifische Gewalt zu beenden und die Beteiligung von Frauen an Friedensprozessen zu verbessern.

Während die Welt mit der Bekämpfung der globalen Gesundheitskrise in Atem gehalten wird, haben Konflikte und Gewalt weiterhin schlimme Folgen für viele Frauen und Mädchen. Die Pandemie hat Initiativen in den Hintergrund gedrängt, die auf den ständigen und zunehmenden Einsatz von sexueller Gewalt gegen Frauen als Kriegswaffe und die dringende Notwendigkeit multilateraler Maßnahmen auf diesem Gebiet hinweisen.

Gleichzeitig haben Frauen die Stimme, die Macht und die Fähigkeit, Veränderungen zu bewirken. Ihre herausragende Führungsrolle in Friedensprozessen und bei der Entscheidungsfindung ist der Schlüssel für einen effektiven und nachhaltigen Frieden. Ihre Beiträge zu öffentlicher und häuslicher Pflegearbeit, lokaler Konfliktlösung und Gemeindeentwicklung bleiben oft unbeachtet, sind aber die treibende Kraft für den Wiederaufbau und die Erholung nach bewaffneten Konflikten.

„Wir wissen um das transformative Potenzial von Frauen als Friedensführerinnen, und es gibt signifikante empirische Belege für nachhaltigen Frieden und höhere Erfolgsraten bei der Umsetzung von Friedensabkommen, wenn Frauen beteiligt sind“, betonte Ilwad Elman. Dennoch waren Frauen zwischen 1992 und 2018 nur 13 Prozent der Verhandlungsführerinnen, 3 Prozent der Mediatorinnen und nur 4 Prozent der Unterzeichnerinnen in großen Friedensprozessen.

Um dieses unausgewogene Verhältnis zu überwinden, forderte Ilwad Elman die internationale Gemeinschaft auf, „Quoten für die direkte und geschlechtergerechte Beteiligung von Frauen in allen Phasen formeller Friedens- und politischer Transformationsprozesse einzuführen und zu unterstützen“. Quoten sind in vielen Fällen der Türöffner für Frauen. Dies zu einer Bedingung für finanzielle Zusagen der UN an Regierungen zu machen, könnte ein gangbarer Ansatz sein, waren sich Ilwad Elman und Botschafterin Heusgen einig.

Mit der Resolution 1325 hat der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen im Jahr 2000 die geschlechtsspezifischen Auswirkungen von Kriegen anerkannt. Die „Women, Peace and Security Agenda“ gilt als Meilenstein im Streben nach Geschlechtergerechtigkeit und Inklusion in Konflikten und Friedenssicherung. Der Fortschritt und die Umsetzung kommen jedoch nur langsam voran und werden durch die anhaltende Militarisierung, das allgemeine Klima der Zurückdrängung der Menschenrechte von Frauen und einen Mangel an Rechenschaftspflicht gebremst.

Botschafter Heusgen machte deutlich, dass die UN Prinzipien und Normen setzen und auf ein Problem aufmerksam machen kann. Diese müssen dann aber vor Ort in dem jeweiligen Konflikt umgesetzt werden. Die Souveränität von Nationen und auch von gewählten Regierungen steht dem oft im Weg. Unsere beiden Podiumsteilnehmer:innen waren sich einig, dass parallele Investitionen in Institutionen und Systeme, sowie in die Zivilgesellschaft, in Volksbewegungen und in Bürgerbildung wichtig sind, um die Menschen in die Lage zu versetzen, ihre Regierung während ihrer Amtszeit zur Rechenschaft zu ziehen und den demokratischen Prozess voranzutreiben.

Die Unterstützung von Initiativen, die von Frauen und Jugendlichen geleitet werden, wie das African Women Leaders Network, das Elman Peace Centre und die Principles for Peace Initiative, ist umso wichtiger, um die lokale Expertise zu nutzen und die Kluft zwischen globalen Resolutionen und indigenen, traditionellen und lokalen Best Practices für die inklusive Integration von Frauen zu überbrücken.

Wir haben das Gespräch mit diesen inspirierenden Persönlichkeiten sehr genossen und eine Menge neuer Erkenntnisse mitgenommen.

Sprecher*innen:

  • Ilwad Elman, Direktorin für Programme und Entwicklung, Elman Peace Centre; 2020 Aurora-Preisträgerin
  • Botschafter Dr. Christoph Heusgen, Ständiger Vertreter Deutschlands bei den Vereinten Nationen, New York, USA

Moderator*innen:

  • Christine Mhundwa, Moderatorin & Korrespondentin, Deutsche Welle (DW)

Weitere Veranstaltungen zu diesem Thema:

Veranstaltungsort:
online | via Zoom
online | via Zoom
15:00 - 16:00 Uhr

Partner:

Aurora Humanitarian Initiative 

Ansprechperson:
Viviana Köhrbrück, Project Management
v.koehrbrueck@globalperspectives.org


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