Global Perspectives | Studie | November 2017

GPI Studie 2017

Wie die Deutschen Entwicklung und die Zukunft Afrikas sehen

Eine repräsentative Umfrage der Global Perspectives Initiative durchgeführt vom Institut für Demoskopie Allensbach

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GPI Studie 2017

Executive Summary

Die Bevölkerung in Deutschland steht der Entwicklungszusammenarbeit grundsätzlich aufgeschlossen, aber gleichzeitig mit einer gewissen Distanz und Misstrauen gegenüber. Das zeigt eine aktuelle Untersuchung, die das Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Global Perspectives Initiative im November dieses Jahres durchführte.

Die Untersuchung zeigt, dass die Bevölkerung um die multiplen Probleme von Entwicklungsländern weiß. So ist die überwältigende Mehrheit überzeugt, dass die Entwicklung dieser Länder durch zahlreiche Faktoren behindert wird, durch unbefriedigende politische Rahmenbedingungen und Bürgerkriege, Terrorismus, Korruption, durch unzureichende Bildung, Krankheiten und eine schlechte medizinische Versorgung, Wasserknappheit, Überbevölkerung, eine unzureichende Infrastruktur und Verwaltungsmängel.

Insbesondere in Bezug auf Afrika dominieren Risiken und Probleme das Bild der Bürger. Die überwältigende Mehrheit assoziiert diesen Kontinent mit Hunger, Krankheiten, Flucht, Korruption und Überbevölkerung, nur eine Minderheit mit Chancen und Potentialen, Aufbruch, Wachstum und Zukunft.

Entwicklungszusammenarbeit kann nach Überzeugung der Mehrheit zumindest bei der Bewältigung eines Teils der Probleme helfen. Das gilt nach Vorstellungen der Bürger insbesondere für die unzureichende medizinische Versorgung und die Bekämpfung von Epidemien, für die schulische und berufliche Bildung, die Infrastruktur und Wasserknappheit, teilweise auch für Verwaltungsmängel. Der Begriff „Entwicklungszusammenarbeit“ ist allerdings bisher nicht etabliert; lediglich 30 Prozent haben den Begriff schon gehört, ordnen ihn aber teilweise in einen anderen Kontext ein wie beispielsweise Unternehmens- und Wissenschaftskooperationen. Der etablierte Begriff ist nach wie vor Entwicklungshilfe.

Die große Mehrheit steht Entwicklungshilfe grundsätzlich positiv gegenüber – allerdings gleichzeitig mit einer gewissen Distanz. Nur 24 Prozent sind „sehr dafür“, dass Deutschland Entwicklungshilfe leistet, 49 Prozent „eher dafür“; nur 13 Prozent positionieren sich grundsätzlich gegen Entwicklungshilfe. Ein Grund für die eher distanzierte Unterstützung liegt in Zweifeln an der Effizienz der Entwicklungshilfe und der Verwendung der eingesetzten Mittel. Nur 27 Prozent der Bürger haben den Eindruck, dass es bisher durchEntwicklungshilfe gelingt, in den Entwicklungsländern nachhaltige Verbesserungen zu erreichen. 61 Prozent bewerten die Erfolge der Entwicklungshilfe in dieser Hinsicht skeptisch; die Mehrheit der Skeptiker ist allerdings überzeugt, dass die Entwicklungshilfe unter ihren Möglichkeiten bleibt und anders konzipiert durchaus nachhaltige Erfolge erzielen könnte.

In Bezug auf die eingesetzten Mittel glauben lediglich 11 Prozent, dass sie zum größten Teil für den eigentlichen Zweck verwendet werden; 54 Prozent gehen davon aus, dass nur ein gewisser Teil in die eigentliche Verwendung fließt, 20 Prozent sind sogar überzeugt, dass dies nur für einen kleinen Bruchteil der eingesetzten Mittel gilt. Die meisten vermuten, dass ein großer Anteil der Gelder durch Korruption in falsche Hände gerät und für Verwaltungsaufwand eingesetzt wird. Noch am ehesten haben die Bürger bei kirchlichen Hilfsorganisationen Vertrauen, dass die Mittel wirklich zur Verbesserung der Verhältnisse in den Ländern eingesetzt werden. 51 Prozent der Bevölkerung sind in Bezug auf kirchliche Organisationen davon überzeugt, 46 Prozent vertrauen hier auch den Vereinten Nationen, ebenso viele jedoch privaten Initiativen von Einzelpersonen oder kleinen Gruppen. Am wenigsten Vertrauen genießen in dieser Beziehung Wirtschaftsorganisationen und -unternehmen.

Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen, dass die bisherige Entwicklungshilfe im Bewusstsein der Bürger eher als karitatives Engagement gesehen wird und weniger als Unterstützung beim Aufbau intakter ökonomischer, gesellschaftlicher und politischer Strukturen. Gleichzeitig hält es die Mehrheit jedoch für falsch, Entwicklungshilfe als rein altruistisches karitatives Engagement anzulegen. 61 Prozent fordern, Entwicklungshilfe sollte sich genauso dem Ziel verschreiben, die Probleme der Entwicklungsländer gerade auch im Interesse der Geberländer nachhaltig zu lösen. 59 Prozent der Bevölkerung sind überzeugt, dass Deutschland selbst profitieren würde, wenn es durch Entwicklungshilfe gelingt, die Situation in den Entwicklungsländern nachhaltig zu verbessern. Die Aufgeschlossenheit für Entwicklungshilfe und eine Aufstockung der Mittel hängt eng mit dieser Einschätzung zusammen. Die Mehrheit ist überzeugt, dass Entwicklungshilfe einen Beitrag zur Bekämpfung von Fluchtursachen leisten könnte. Durch die Sensibilisierung der Bevölkerung für Flucht und Vertreibung hat dieses Thema heute einen ganz anderen Stellenwert als noch vor einigen Jahren. Eine entscheidende Frage ist jedoch, wie das Vertrauen der Bürger gestärkt werden kann, dass in den Entwicklungsländern nachhaltige Erfolge erzielt werden können.

Autoren:

  • Institut für Demoskopie Allensbach

Herausgeber:

  • Global Perspectives Initiative

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