Global Perspectives | Studie | August 2019

GPI Studie 2019

Investitionen der deutschen Wirtschaft in Afrika

Eine Führungskräftebefragung

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GPI Studie 2019

GPI Studie 2019 Executive Summary

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Executive Summary

Das Engagement der deutschen Wirtschaft in Afrika war bislang zurückhaltend. Etwa 800 Unternehmen mit deutschem Kapital sind in Afrika aktiv. Der Bericht der Deutschen Bundesbank zur Bestandserhebung über Direktinvestitionen in Afrika aus dem April 2019 zeigt, dass rund 9 Milliarden Euro Direktinvestitionen aus Deutschland nach Afrika fließen. Das entspricht rund einem Prozent aller deutschen Direktinvestitionen im Ausland und ist ein Bruchteil des Investitionsvolumens chinesischer Unternehmen. Zwischen China und Afrika belief sich das Handelsvolumen im Jahr 2017 auf 170 Milliarden US-Dollar. Zwei Jahre zuvor lag es sogar bei 220 Milliarden US-Dollar. Offenbar nimmt China Afrika als einen viel versprechenden Markt wahr.

Ein differenziertes Bild über Afrika entwickelt sich
Doch etwas verändert sich – auf dem afrikanischen Kontinent zum einen sowie in der deutschen Wirtschaft und Politik zum anderen. Die afrikanischen Volkswirtschaften sind 2018 durchschnittlich um 3,5 Prozent gewachsen. Die Anzahl volkswirtschaftlich erstarken- der Regionen nimmt zu und beschränkt sich nicht mehr ausschließlich auf den wirtschaftlich erfolgreichen Süden Afrikas. Zudem gibt es mit „Compact with Africa“ und anderen politischen Programmen eine Reihe von Initiativen, die der deutschen Wirtschaft in ihrer Risikoabwägung nützen. Die Bereitschaft der Unternehmen, zu investieren, hängt jedoch entscheidend davon ab, wie die Unter- nehmen die wirtschaftlichen Chancen einschätzen. Tatsächlich betrachten deutsche Unternehmen Afrika nicht mehr als Kontinent mit erheblichen Investitionsrisiken, sondern als potenziellen Zukunftsmarkt, der nüchtern geprüft wird. Infrastrukturprojekte, Investitionen in Bildung und Unterstützung beim Aufbau bzw. Aus- bau effizienter und verlässlicher Verwaltungsstrukturen haben einige Länder Afrikas auf einen für Investoren interessanten Entwicklungspfad geführt.

Politik und Wirtschaft messen der Entwicklung Afrikas große Bedeutung bei
Afrika rückt bei Wirtschaft und Politik verstärkt in den Fokus. Es gibt einen denkbar breiten Konsens in Wirtschaft und Politik, der be- sagt, dass die Entwicklung des afrikanischen Kontinents für Europa von großer Bedeutung ist. 67 Prozent der Führungsspitzen halten es für sehr wichtig, weitere 29 Prozent für wichtig, dass sich Afrika gut entwickelt. Die ausführlich befragten Repräsentanten von Unter- nehmen, die in Afrika aktiv sind, waren überzeugt, dass Europa mit einer enormen Zuwanderung konfrontiert sein wird, wenn es nicht gelingt, in Afrika große, wirtschaftlich nachhaltige sowie gesunde Wachstumsregionen zu schaffen. Dabei wurde allerdings auch betont, dass wirtschaftliches Wachstum allein nicht ausreicht, sondern auch viel von der Entwicklung der politischen Rahmenbedingungen und der Stabilität der Länder abhängt.
Auch im Hinblick auf die Entwicklung der internationalen Wettbewerbs-fähigkeit Europas halten es die Unternehmen für ratsam, Afrika verstärkt in den Blick zu nehmen. Das intensive chinesische Engagement in Afrika beeindruckt und stimmt viele zugleich besorgt. Der Eindruck dominiert, dass Europa und auch die USA diesem Engagement bisher zu wenig entgegensetzen.

Keine Pauschalisierung: Große regionale Unterschiede
Die in Afrika aktiven Unternehmen betonen, dass sich die Situationen, Entwicklungen und Chancen in Afrika nicht pauschal bewerten lassen. Es gibt stabile Länder mit einer dynamischen wirtschaftlichen Entwicklung und Länder, die sich sowohl ökonomisch als auch politisch in einer schwierigeren Situation befinden. 69 Prozent der Führungskräfte aus Wirtschaft und Politik sind davon über- zeugt, dass sich in den nächsten Jahren einige ausgewählte Regionen Afrikas gut entwickeln werden. Das größte Potenzial wird zurzeit in Ländern gesehen, die in den vergangenen Jahren einen wirtschaftlichen Aufschwung erlebt haben, zum Beispiel Ghana, Äthiopien und Senegal, sowie in etablierten Volkswirtschaften wie Südafrika und Nigeria.

Unterschiedliche Chancen-Risiko-Analyse von Politik und Wirtschaft
Bei der Einschätzung der Chancen und Risiken geht das Urteil von Wirtschaft und Politik auseinander: Während zwei Drittel der befrag- ten Politiker davon überzeugt sind, dass die Chancen überwiegen, sieht die Mehrheit der Führungskräfte aus der Wirtschaft derzeit noch überwiegend Risiken. Gleichzeitig sehen aber auch die Unter- nehmen, die überwiegend von Risiken ausgehen, mehrheitlich erhebliche ökonomische Chancen. Für die eigene Branche bewerten die Unternehmen die Chancen-Risiko-Relation günstiger als für die Wirtschaft insgesamt. So sehen 53 Prozent der in Afrika engagierten Unternehmen für die eigene Branche überwiegend Chancen in Afrika, nur jeder Dritte überwiegend Risiken. Große Potenziale werden beispielsweise für die Bauwirtschaft gesehen, für die landwirtschaftliche Produktion, den Energiesektor und die medizinische Versorgung. Als Absatzmarkt hat Afrika für die deutsche Wirtschaft bisher geringe Bedeutung. Von den in Afrika aktiven Unternehmen gehen jedoch zwei Drittel davon aus, dass die Bedeutung Afrikas als Absatzmarkt künftig steigen wird.

Hauptrisiken für Investitionen: Rechtsunsicherheit, politische Rahmenbedingungen und Korruption
Aus Sicht der Mehrheit sind die größten Risiken und damit auch Hemmnisse für Investitionen in Afrika die politische Instabilität in einem Teil der Staaten, Korruption und auch Rechtsunsicherheit. In Bezug auf Korruption wurde in den ausführlichen Gesprächen mit Unternehmen, die in Afrika aktiv sind, teilweise zwischen der Privatwirtschaft und dem staatlichen Bereich differenziert und die Probleme wurden vor allem im staatlichen Bereich verortet. Auch wurde darauf hingewiesen, dass sich Unternehmen aus anderen Ländern Asiens, aber auch teilweise Europas, der Korruption weniger entschlossen entgegenstellen. Was den Unternehmen oft zu schaffen macht, sind bürokratische Verfahren, langwierige Prozesse und Rechtsunsicherheit. Insbesondere Gerichtsprozesse gelten als ein Risiko, das es möglichst zu meiden gilt.
Gerade bei der Bewertung der Risiken wurde jedoch von den in Afrika aktiven Unternehmen immer wieder darauf hingewiesen, dass die Berichterstattung und die Einschätzung der Situation in Afrika differenziert erfolgen müssen. Es wurde kritisiert, dass die Wahrnehmung Afrikas in Deutschland diesem Anspruch oft nicht genügt und regionale Probleme und Risiken oft für den gesamten Kontinent verallgemeinert werden.

Ausweitung der staatlichen Unterstützung gewünscht
Die Bemühungen der Bundesregierung, Investitionen in Afrika unter anderem durch eine Risikoabsicherung und einen Investitionsfonds zu unterstützen, werden von der überwältigenden Mehrheit der Führungskräfte aus Wirtschaft und Politik begrüßt.

Die in Afrika engagierten Unternehmen ziehen die Bilanz, dass staatliche Instrumente Investitionen auf diesem Kontinent erleichtern können, und haben auch den Eindruck, dass sich die deutsche Politik verstärkt Afrika zuwendet und in der Entwicklungszusammenarbeit neue Wege geht. Gleichzeitig wird das bisherige staatliche Engagement von vielen Führungskräften in der Wirtschaft als noch nicht ausreichend bewertet, insbesondere weil es zu eng auf bestimmte Länder oder Branchen fokussiert oder insgesamt zu klein dimensioniert sei. Den bisherigen Maßnahmen wird auch überwiegend nur begrenzte Wirkung zugeschrieben. Gleichzeitig zeigen jedoch gerade die ausführlichen Stellungnahmen der in Afrika engagierten Unternehmen, dass die staatliche Unterstützung und hierbei insbesondere auch die materielle Absicherung von Risiken als wichtig und hilfreich empfunden werden.

Autoren:

  • Institut für Demoskopie Allensbach

Herausgeber:

  • Global Perspectives Initiative

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